TAGEBUCH

70 Jahre Singgemeinschaft Oisternig - Symposium auf den Spuren der „Auswanderer aus dem Gailtal“

01 Symposium 2019„In die Welt hinaus“ …. das dachten sich in den 20er und 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts viele Gailtalerinnen und Gailtaler, die ihr Glück über dem großen Teich zu finden hofften. Was wurde aus ihren Träumen? Wie erging es ihnen in der Fremde? Vermissten sie die Heimat, die Bräuche, die Lieder? Mit diesen Themen beschäftigte sich die Singgemeinschaft Oisternig anlässlich ihres 70-Jahre Jubiläums im Rahmen eines Symposiums in der Musikschule Feistritz/Gail und zweier Konzerte am Flugplatz in Nötsch.

 

Beim Symposium am 27.06.2019 abends in der Musikschule Feistritz/Gail bei 39°Außentemperatur referierte Mag. Dr. Werner Koroschitz, Historiker aus Villach, wissenschaftlicher Leiter des Vereines Industriekultur und Alltagsgeschichte, über den „Onkel aus Amerika“. Vor 10 Jahren organisierte er zu diesem Thema eine große Ausstellung in Villach und interviewte im Zuge seiner Recherchen in Amerika 200 Personen, die hauptsächlich aus dem Gailtal ausgewandert waren. Unzählige Briefe und ungefähr 20 000 Fotos, die quasi in Schuhschachteln lagerten, wurden ihm zur Verfügung gestellt und daraus konnte er ihre Geschichten ablesen. 

Univ.-Doz. DDr. Peter Wiesflecker, Historiker und profunder Kenner des Gailtales, der in Feistritz/Gail aufgewachsen ist, beschäftigte sich mit den Lebenswelten und Lebenswirklichkeiten der Untergailtaler Auswanderer um 1900 in der Neuen Welt. 1903 sagte ein Pfarrer im Tal: „Die Auswanderungslust ist groß, ohne weiteres verlassen Bauern ihre Höfe, alles Zureden hilft nichts.“ Der Reiz des Neuen und die Aussicht auf Job und Geld steigerten sich von Jahr zu Jahr. Obwohl es manchen in Amerika gut ging, war oft auch das Gegenteil der Fall. Einige kehrten zurück, viele blieben für immer. Manche sahen sich erst nach Jahrzehnten wieder.
Franz Mörtl, Berti Kaiser und Raimund Leiler erzählten in launiger Art und Weise von ihren Erfahrungen mit den Gailtaler Auswanderern.
In der Pause wurden die Gästen des Symposiums mit „Lenis Apfelstrudel“, hergestellt von Sängerinnen der SGO nach einem Originalrezept von Leni Ferlitsch, die damit in Amerika berühmt wurde, verwöhnt. Danach berichtete Bürgermeister Dieter Mörtl sehr unterhaltsam von seinen Besuchen bei den kanadischen Verwandten.
Prof. Mag. Dr. Margit Heissenberger, musikalische Botschafterin und begeisterte Kärntenheimkehrerin meinte, das Thema des Symposiums sei brandaktuell. Weggehen ist auch heute ein großes Thema in Kärnten. Aber die Sehnsucht nach der Heimat ist da und viele sehnen sich nach Kontakt. Deshalb gründete sie den Verein Initiative für Kärnten (www.weltkaerntner.at) und versucht damit, Wertschöpfung in unser Land zurück zu bringen.
Mag. Dr. Arnold Mettnitzer, Theologe und Psychotherapeut, machte sich Gedanken über Heimweh und Fernweh und freute sich über die vielen Menschen, die trotz der Hitze immer noch da waren. Fernweh entsteht, weil Vieles im Hier nicht passt, aber kaum ist man dort, ist das Heimweh da. Letztlich bestimme das Verstanden fühlen, ob wir zu Hause sind. Die gemeinsame Sprache, noch mehr das Singen, rührt das Herz und wenn wir ergriffen sind, sind wir zu Hause.
Von 160 SymposiumsteilnehmerInnen gab es viel Applaus und ein großes Danke für diesen emotionalen Abend.

Text: Ines Wulz

 

 

 

 

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